Herzmuskelkater

Blog #1 - 2019 Dez

„Herzmuskelkater?“, höre ich dich fragen, „was in aller Welt soll das denn sein?“. „Herzmuskel, klar ist bekannt. Herzmuskelentzündung, auch schon gehört, soll sehr gefährlich sein, aber Herzmuskelkater, den gibt’s doch nicht. Oder?“

Doch, es gibt ihn und ich meine tatsächlich den Herzmuskelkater. Zwar noch nicht recht erforscht, wie mir scheint, hat er mir trotzdem heute seine Aufwartung gemacht. Und so kam es. Seit geraumer Zeit überkommt mich des Öfteren, vor allem morgens mit dem Aufwachen, ein trübsinniges und panisches Sinnlosigkeitsgefühl. Allerlei trübsinnige Gedanken tauchen ganz plötzlich in den ersten Minuten des Tages wie eine heiße Welle in mir auf und lassen mein Herz recht panisch und unregelmäßig pochen. Und danach bleibt so ein komisches Gefühl, das schwer beschreibbar ist.

Und wie ich so dasitze und zum wiederholten Male darüber hadere, höre ich plötzlich ‚etwas‘ laut und deutlich sagen: „So geht das nicht weiter!“ Und während ich noch überrascht überlege, „wo kommt das denn her“, tönt ‚es‘ sehr nahe „Hör gut zu! Ich bin’s: dein Herzmuskelkater!“ Ich muss lachen, denn so etwas habe ich wahrlich noch nie gehört. Da entgegnet ‚es‘: „Du kannst schon lachen. Das ist jedenfalls erfrischender als deine trübsinnige und destruktive Laune der letzten Tage und Wochen.“ Und bevor ich etwas dazu antworten kann, fügt ‚es‘ fort: „Jetzt hast du über Wochen vergessen, wie dein Herz tickt. Kannst du dich denn gar nicht mehr erinnern, welche Kraft in diesem Muskel steckt? Es geht darum, diesen Muskel in Balance zu halten und den Herzmuskel-Liebe-Leben-Freude-Schöpferaspekt zu pflegen, denn nur so kannst du dem, also mir (er kichert) vorbeugen.“ Auch wenn ich wollte, ich komme noch immer nicht dazu, darauf zu antworten. „Macht nichts, jetzt bin ich ja da. War übrigens gar nicht so leicht, zu dir durchzudringen. Ich benötige dazu deine Seelenerlaubnis – höchste Stelle in deinem kleinen Menschenuniversum (er kichert schon wieder) – aber unumgänglich. Und dahin komme ich nur, wenn ich dich, also dein Herz, zuerst um Erlaubnis frage. Und das ist schwierig, weil du mir, restriktive deinem Herzen, erst gar nicht zuhörst. Und dann dauert es immer noch eine Weile, bis du es kapierst, dass ich mit dir rede und dann, ja dann, bist du überhaupt erst imstande, mich wahrzunehmen. Ja und dann kann ich dir etwas dazu sagen. Also hör mir jetzt gut zu!“

Als ob ich eine Gelegenheit gehabt hätte, etwas zu entgegnen, fährt ‚er‘ schon fort. „Also liebe Trägerin dieses wunderschönen Herzens, dieses Muskels der Liebe: Seit Tagen quälst du dich mit destruktiven Fragen. Erstens ist es nicht nötig, Liebe zu lernen, denn sie ist! Sie ist immer da! Es ist nicht nötig, irgendwohin zu rennen und nach ihr zu suchen. Dort wo du bist, ist sie auch – die Liebe. Das ganze Nachdenken, Sorgen und Zweifeln ist sehr anstrengend für dein Herz, dass es gar nicht anders geht, als dass ich bei dir auftauchen muss.“ Er kann also meine Gedanken hören, denke ich, aber der Herzmuskelkater redet schon weiter: „Ja genau, hier komme ich ins Spiel! Und wenn ich schon mal zu dir durchkomme, dann wollen wir doch schnell wieder in die Gänge kommen, oder? Also: Jetzt bin ich da. Jetzt geht es weiter. Jetzt kommt alles in Bewegung. Jetzt beginnt alles wieder zu fließen. Wenn du mir zuhörst! Und bitte entschuldige, aber nach all den Wochen der Selbstkasteiung spürst du mich eben ein wenig unangenehm drückend und das ist auch gut so, das muss so sein. Und zweitens gebe dir jetzt einen Tipp – direkt aus unserem Leben-Lieben-Herzmuskelkater-Spüren-Sportstudio, das übrigens ganztägig geöffnet und keinen Feiertag hat: Bewegung hilft! Und zwar im Innen und im Außen. Alles was bewegt ist gesund. Und wenn du dir nicht sicher bist, wie du das machst oder was dir hilft, so frage – richtig – dein Herz. Wenn die Antwort auf deine Frage schön kribbelt, oft im Bauch und im Brustkorb und leicht wärmend ist – auf keinen Fall vulkanheiß oder eiskalt – dann ist es die richtige Medizin. Und zur Anwendung kann ich dir noch sagen: Bitte entspanne dabei! Durch deine Selbstkasteiung, Sorge und Angst, hast du ja überhaupt keine Zeit mehr über das Wesentliche nachzudenken. Und im Wesentlichen geht es um folgendes: deinen Herzensweg. Um diesen anzukurbeln gibt es drei wirksame Starter: Musik, Tanzen, Lachen, egal in welcher Reihenfolge. Und diese potenzieren sich in angenehmer Gesellschaft, in schöner Natur und mit tiefem Ein- und Ausatmen. Jedes davon hilft garantiert – alles zusammen ist unumgänglich heilsam. Und wenn du weitere Details dazu benötigst, dann frag doch bitte einfach nach! Nicht vergessen: Unsere Rezeption hat jeden Tag, auch Sonn- und Feiertag, von 0-24 Uhr geöffnet!“

Und da ist sie nun, die kleine Pause, die ich sogleich nutze, um weitere Details zu bekommen. Jetzt fragst du vielleicht, was hat der Herzmuskelkater noch zu mir gesagt? Da muss ich dir leider sagen, das war so ein Schwall an Ideen, dass es den Rahmen des Blogs sprengen würde, aber eines möchte ich noch gerne mit dir teilen, denn der Kater schnurrte mir zärtlich ins Herz: „Liebes Menschenkind, sobald du mich hörst, ist eh alles schon wieder in Bewegung und sobald dein Herz mit einem neuen Herzensgedanken kribbelt, bist du schon wieder in Richtung Herzensweg unterwegs und sobald du auf deinem Herzensweg bist, bin ich auch schon wieder weg!“ Und mir war, als hörte ich den Nachsatz: „jedenfalls bis zum nächsten Mal, wenn du mich wieder benötigst.“

Ich habe mir einige seiner Ratschläge zu Herzen genommen und am nächsten Tag war ‚er‘ weg – der Herzmuskelkater. Morgens als ich aufwachte, spürte ich ein sanftes warmes Kribbeln im Bauch und im Herzen.

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Doris Herzog

  • Die Lichtbloggerin ©
  • Sprech- und Schreibmedium
  • schriftstellerisch tätig

doris.herzog@imjetztleben.at